Persönlichkeiten von Santa Maria do Mundo Novo

Heinrich Fauth

Erster Schuster von Santa Maria do Mundo Novo - Brasil

Etwa ein Drittel aller deutschen Einwanderer,die an dem Bürgerkrieg teilgenommen haben, kämpften oft ohne Waffen, Uniformen oder Ernährung auf der Seite der Farrapen, wo sie von Leuten wie Salisch, von Heise und den Klingelhöffern geführt wurden.

Doch wie soll man sich dieses Zeitbild genau vorstellen, wenn man es aus der Sicht eines Jungen wahrnimmt, der im Alter von zwei Jahren nach Brasilien kommt und seinen Vater verliert, als der den Rio dos Sinos-Fluss zu überqueren versucht, nachdem sie gerade einige Tage in São Leopoldo angekommen waren? Heinrich Fauth wird schon im Alter von 12 Jahren in die Reihen der Farrapen aufgenommen, obwohl er, wie das Wort Farrapen anzeigt, nur Fetzen auf dem Leibe trägt, die er selber im Schweiße seines Angesichtes mit dem Tageslohn erworben hatte. Manchmal fand er Arbeit als Tagelöhner, womit er schon mit 8 Jahren begonnen hatte, oder er stellte Schlappen und Holzschuhe her – ein Beruf, den er inmitten der Farroupílha Revolution erlernt hatte, gewissermaßen zwischen einer und der anderen Schlacht. Nach dem Bürgerkrieg siedelte er sich in Mundo Novo an, um hier seine Kinder in Ehren zu erziehen und zum ersten Schuster von Santa Maria do Mundo Novo zu werden. Mehrere andere haben diese Ehre während vieler Jahre für sich in Anspruch nehmen wollen, ohne zu wissen, dass ein so tapferer Mann seit 1856 hier ansässig war. Er hat es zu beträchtlichem Vermögen und Einfluss gebracht und zwar in einem Beruf, der heute das wirtschaftliche Panorama des ganzen Paranhana-Tales, der ehemaligen Kolonie Santa Maria do Mundo Novo, kennzeichnet.


FAUTH

“Ich, Heinrich Fauth, wurde geboren in Kreuznach am 29 ten Juli 1823, in dem Regierungs Bezirke Koblenz in dem Koenigsreich Preussen in Europa und am 19 ten August 1825 wanderten meine Eltern nach Brasilien mit 4 Kinder, ich war 2 Jahre alt. Sie blieben 1 Jahr in Rio de Janeiro da lag mein Vater 8 Monate krank. 1826 kamen wir auf der alten fichtoria an, dann bekamen wir eine Kolonie am Kaiserwald, eine Stunde von São Leopoldo. Wie ich vier Jhare alt war ertrank mein Vater in dem Rio dos Sinos bei São Leopoldo.

Meine Mutter heiratete einen Mann namens Adam Becker, derselbe hat uns Kinder misshandelt, wie ich 8 Jahre alt war arbeitete ich zur Tagelohn und verdiente nur 2 ventim oder 40 rs. Wie ich 10 Jahre alt verdiente ich 6 ventim 120 rs., wie ich 12 Jahre hatte musste ich Soldat bei den Republikaner oder Farrapos werden auf den Tag wie der Menino Diabo (Teuffel Kind) in dem Terezen Loch vor der Baumscheiz und gefangen wurde. An diesem Tag wurde ich Soldat, so habe ich 5 Jahre mit durch gemacht, wir bekamen keine Kleider weder Solt, wir hatten die Stadt Porto Alegre belagert an 2 Jahre, da nun unsere Munition knab war mussten wir zurueck ziehen nach Sima da Serra und Vacaria durch Matta portugues und Matto castelhano durch und bei Bodekarrrai herunter und im Jahre 1837 im Abril jielten wir eine grosse Schlacht und jagten die Kaiserlichen Parteispaeher Spaeter.

Da ich das Schusterhandwerk lernte. dann verheiratete ich mich mit Elisabeth Schoenardie am 25 Maerz 1842, als wir schon ein Kind hatten im Jahre 1845 den 13 Mai ging ich nach der Campanha in São João dos Palmos, daselbst blieb ich 1 Jahr um etwas zu verdienen, dann ging ich wieder nach hause, ich wohnte fruer am Kaiserwald, eine Stunde von São Leopoldo, dann kaufte ich eine Kolonie in Mundo Novo auf dem Fortaleza und am 6 ten Oktober 1856 wanderte ich in Mundo Novo mit 6 kinder, 2 Maedchen und 4 Knaben, und hier in Mundo Novo wurden uns noch 7 Knaben geboren, wovon noch 12 noch am leben sind. Der Heinrich der hat im Paraguay im Krieg das rechte Bein verloren. Ich betrieb die Schusterei und dabei ein kleines Geschaft. 1880 starb meine Frau, den 13 Oktober; nach dem ich Wittmann war betrieb ich das Geschaeft noch 5 Jahre allein, ich liess meine 10 Soehne alle Handwerk lernen. 1883 lies ich mich naturalisieren. Dann wurde ich spaeter gewaehlt in die Camara in Taquara. Ich habe schon als Kind viel ausgehalten mein erster Tagelohn war nur 40rs pro Tag.

Als verheiratet viele traurige Tage, als Wittmann noch viel traurige, weil fuer mich die Welt tot war. Bis heute 1889 Zaehlen meine Nachkommenschaft schon 50 Enkel und 3 Urenkel. Ich habe einiges von meinem Lebenslauf in einem Buch aufgeschrieben und wenn es den Herren Zeitugns männer in die in die Zeitun als eine Erinnerung von einem Veteran, dann moegen meine Kinder abschreiben und den Herrn zusenden”.


Erinnerungen von Heinrich Fauth

“Der Zweck nach folgender Erzählungen die ich für euch lieben Kinder niederschreibe, ist für euch einen Einblick in das Leben es u. Wirken eures Vaters zugestattet, welchen in Leben es nicht an Abwechslung gefehlt hat. Liest die Erzählung aufmerksam durch, und ihr könnt in mehr als einer Bezihong Nutzen daraus haben. Ihr könnt daraus lernen, dass ein fester energischer Wille gepaart mit Arbeitsamkeit und Standhaftigkeit viel vermag.

Wie er mich vom armen unwissenden Knaben su dem gemacht hat, der ich heute bin. Zu einem Manne, welcher sich und die seinen redlich und ehrlich ernährt hat, und an dessen Name kein Macker haftet, sondern von jedermann geachtet und geschätzt wird. Alles was mir begegnet und was ich geleitet habe, kann ich heute unmöglich mitteilen denn das würde ganze Bände füllen, ich muss mich daher auf das Wichtigste und Notwendigste beschränken. Mein Vater welcher von Profession Stellmacher war und Phillipp Heinrich hiess, war wohnhaft in dem Königreich Preussen und zwar ein Rheinpreusser. Er war verheiratet mit meiner Mutter Anna geborene Bretz aus Kreuznach woselbst auch meine Eltern wohnten und auch ich am 29 Juli 1823 geboren war, bald nach meiner Geburt fassten meine Eltern den Entschluss nach Brasilien auszuwandern um sich eine neue Heimat zu gründen. Meine Eltern und wir vier Kinder reissten dann auch wirklich am 19 August 1825 von Kreuznach ueber Hamburg nach Brasilien ab. In der Hauptstadt Brasiliens in Rio de Janeiro landeten wir und wohnten daselbs ein volles Jahr. Mein Vater lag hier acht Monate krank, da wurde der groesste Teil des Geldes, welches meine Eltern von Europa mitgebracht hatten verbraucht, trotz meine Mutter von vermoegenden Eltern war. Es wurde viel Doktor-Geld, Hausmiete, Lebensmittel verbraucht.

In Rio de Janeiro ist das Leben schon an sich und fuer sich teuer, und nun noch acht Monate krank ohne irgend einen Verdienst, dabei fuenf Kinder zu ernaehren, koennt euch denken dass das brasilianische Kueste längst suedlich bis in die Provinz Rio Grande do Sul, hier waren noch nicht lange die ersten deutschen Kolonien bei São Leopoldo angelegt worden. São Leopoldo bestand damals nur aus einer einzigen Strohhütte welche einem Deutschen Namens Rasch gehoerte. Wir wohnten zuerst sechs Monate lang auf der Feitoria Velha, sodann bekamen wir eine Kolonie Land im sogenannten Kaiserwald, welcher Name von der verstorbenen Mutter des jetzigen Kaisers von Brasilien kommt, welche daselbst ein Schloss erbauen wollte. MeinVater begann nun eine Plantage zu bauen, als er damit zu Ende war, ging er nach São Leopoldo um die faelligen Supsidien zu holen. Auf dem Rueckwege musste er ueber den Rio dos Sinos ein einer Kanoa uebersetzen, es waren noch mehre Passagiere in der Kanoa, einige mit Pferde, welche am Zaum gefuert wurden und der Kanoa nachschwammen, da ploetzlich fiel die Kanoa um und saemtliche Insassen fielen ins Wasser vorbei mein Vater ertrinken musste. Der Faermann war der alte Coelho, der Schwiegervater von Adam Hoefel. Ihr konnt euch denken, liebe Kinder, welch harter Schicksalschlag dieser unverhoffte Tod meines Vater fuer uns alle war, meine Mutter stand nun allein im fremden Lande der Plantagearbeit unkundig, mit vier unmuendigen Kinder, welche ihr beinahe noch nicht helfen konnten; mein aelster Bruder Lorenz war erst zwoelf Jahre alt, meine aelteste Schwester Christine war ein zehnjaeriges Maedchen, waehrend meine zweite Schwester Margarete acht und ich erst vier Jahre alt waren. Keines von uns war der Landessprache maechtig, keines wusste Bescheid in der Plantagearbeit, und meine Mutter weinte damals manch bittere Traene wegen ihrer Hilfslosigkeit.

Zu dieser Zeit kam ein Mann zu uns mit Namen Adam Becker, welcher sich fuer ledig ausgab obgleich er, wie wir spaeter erfuhren verheiratet war und seine Frau mit zwei Kinder in Europa sitzen gelassen hat. Derselbe bewarb sich um die Hand meiner Mutter und heiratete sie auch bald danach. Dieser Becker welcher ein Ertzfaulenzer war alla Untugunde an sich hatte behandelte seine Frau und seine Kinder wie Sklaven. Wir hatten von dem rohen Gesellen viel zu leidenbekommen, viel Pruegel und wenig zu essen. Ich musste obgleich ich erst fuenf Jahre alt war, in der Plantage um dort zu arbeiten: bei einer Kost von viel Wasser und kein Brot. Ich weiss bis heute noch nicht wie wir ein solches Leben aushalten konnte, ohne dabei zu verhungern.

Adam Becker erntete aber auch spaeter, wie ich gleich voraus schicken will, den Lohn fuer sein Rohheiten. Er starb in den Siebzigen Jahren in Santa Christina do Pinhal im groessten Elend, beinahe Hungers, auf seinem Krankenlager.

Wir mussten also alle in der Plantage arbeiten, ohnerichtiges Handwerksgeschirr, denn es gab damals noch keine Schiede auf der Kolonie welche ein ordentliches Stueck Handwerksgeschirr machen konnte; Die Hacken von damals waren viereckige Stuecke Eisen ohne Stahl wie in nebenstehender Figur abgezeignet ist, hatte ein Gewicht von drei bis vier Pfund. Zu jener Zeit war alles noch sehr billig, das Pfund Kaffe kostete sechs Vintem, Zucker drei bis sechs Vintens, wie auch jetzt noch. Ein Pferd kostete je nachdem acht bis sechzehn Silbertaler, eine gute Melkkuh acht Silbertaler bis zu einem Dobel, welcher 12$800 oder beinahe dreizehn Silbertaler Wert hatte. Riscado und Katun waren sehr billig, aber noch viel schlechter als billig: sehr schmal und faules verlegenes Zeug. Das groesste Geschaeftshaus in Porto Alegre hatte in jene Zeit weniger als heutigen Tags ein gewoehnliches Geschaeftshaus auf der Kolonie. Es wurde damals nach Ventins, Cruzados, Tostão, Patak und Silbertaler rerechnet. Ein Silbertaler oder Patacão galt drei Patak oder 960rs. Die Reis wurde erst nach der Revoluzion bei den Geschaeftsleuten gesetzlich eingefuert. Ein Arbeiter verdiente mit der Hacke vier bis sechs Ventim per Tag. In unserem elterlichen Haus wurden die Misshandlungen unseres Stiefvaters immer aerger so das sie kaum zu ertragen waren, deshalb leif zuerst mein Bruder davon, dem dann auch bald meine zwei Schwestern folgten. Ich allein musste bei dem Schurken aushalten. Es wiederstrebt mit alle Ungebuehrlichkeiten, Rohheiten und Misshandlungen meines Stiefvaters aufzuschreiben, lasst darum weiter erzaehlen.

Mein erster Verdienst waren zwei Ventim per Tag mit der Hacke zu arbeiten. Denkt nur, liebe Kinder, fuer zwei ganze Ventim den lieben langen Tag in der heissen Sonne zu stehen und dadurch dass ich das Geld so schwer und langsam verdienen musste, habe ich den Wert des Geldes kennen gelernt. Ich musste klein anfangen, denn im Kleinen steckt ja des Grossen Kern. Alles ist aus kleinen Anfaengen hervorgegangen, selbst die alle Welt umfassende Christenheit. Damals lebte ich auch bei einem Verdienst von zwei Ventim und arbeitete und baute darauf weiter, sodass ich mir nichts mehr abzudarben brauche und jetzt meine Flasche Wein oder Bier ohne Strugel drinken. Eines Tages sah ich einen Mann Kohlen brennen, da dachte ich bei mir selbst: das musst du auch versuchen und wie ich immer das durchfuere was ich mir vornehme so ging ich Sonntage in den Wald und brannte Kohlen, die ich zu zwoelf Ventim das Fass verkaufte.

Unterdessen fing die Revolution an, da hatte ich auch einen kleinen Verdienst indem ich den Pferden, welche von den Soldaten nicht gefuettert wurden und deshalb krepierten und liegen gelassen wurden, die Felle abzug und sie dem Gerber dicht bei Hamburgerberg fuer zwei Patak das Fell verkaufte. So sparte ich mir sechs bis acht Taler Kupfergeld zusammen, wovonn ich mir fuer Hemd und Hose Algodão Grosso kaufte, welcher man damals nicht anders als Negertuch nannte, weil gewoehnlich nur die Neger dasselbe trugen.

Bald darauf sollte mein Stiefvater bei den Republicanern Soldat werden. Er Stochelte sich in den Zaehnen bis sie bluteten, hustete haeftig und spuckte dann Blut um sich vom Soldatentum frei zu machen, dann versprach er mich an seiner stelle mitzuschicken. Und so musste ich, ein Knabe, Stelle des Ellenden die Revolution mitmachen. Ich trat an demselbigen Tage ein, an welchem der beruechtige Menino Diabo vor der Baumpicade im Trensenloch blesiert und gefangen genommen wurde. So wurde ich nun Soldat bei den Republicaner oder wie ihr Spottname lautete: Farrapos – Farrapen. Waffen hatte ich keine, denn mein Stiefvater gab mir seine Pistole nicht und ich war zu arm mir eine Waffe zu kaufen und die Farrrapen hatten kein Geld um ihre Leute welche zu kaufen, und zu liefern. Ich musste deshalb auf die Pferde aufpassen. Poncho hatte ich auch keinen. Später diente ich bei der Kapitania Lupa, bei demselben, der späterhin Mucker wurde. Nun zog aber die kaiserliche Partei, welche wir Caramurus oder Galegos nannten herbei. Die Farrapen nussten sich weil es ihnen an Munition fehlte zurücksiehen und ihre Zuflucht auf die Serra nehmen. Wir hatten gerade in der Neustadt bei São Leopoldo gelegen als es hiess die Faschinaler seien schon am Portão. Gleich darauf kam ein anderer Bote mit der Nachricht, das der Hannikel Klos todt und der krummhalsiger Becker gefangen sei, und die Galegos schon drüben auf Erigs Berg schössen. Unsere Leute waren gam zerstreut einige waren auf der Wildschweinjagd in dem Sumzfe bei Müller Schükelche, diese bekamen schnell Nachricht zugesandt und zogen sich zu uns zurück.

Es war da ein furchbares durcheinander bei uns. Weiber und Kinder, die vor dem Feinde geflohen waren kamen zu uns und schrien, die Carmarus bringen uns alle ums Leben. Weiber riefen nach ihren Männern, Kinder nach den Eltern, die Kühe brüllten, die Kälber blärrten und die Pferde wieherten.

Das war ein laermen! Dabei war es Nacht geworden, der Feind schoss aber unaufhoerlich nach uns, er hatte ja Munition genug, waerend unsere Leute sparen mussten. Wir schafften nun zuerst die Pferde ueber den Fluss, dann fuhren wir zurueck nahmen das Lanchão des Nicolaus, luden die Weiber, Kinder, Sattelzeug und saemtliche andere Bagage ein und brachten sie auch ans andere Ufer. Dann fuhren wir nochmal retur und holten die Maenner welche zurueck geblieben waren und hinter dem Hause des Albin Kaempfer standen um den Feind abzuhalten. Nun bekamen wir aviso vom Coronel Tenente Coelho, der sich auch schon nach Porto Alegre zurueck gezogen hatte. Wir sollten uns zurueck-ziehen. Ich dachte darueber nach ob ich bei den Farrapen bleiben oder mich im Walde verstecken sollte. Endlich entschloss ich mich wieder mit den Farrapen weiter zu ziehen, denn ich dachte bei der Força meine Schwester Christine anzutreffen, welche mit dem Tenente S.T. Titze verheiratet und von diesem wie es bei den Farrapen-Offiziere ueblich war, mitgenommen worden war.

Wir marschierten die ganze Nacht durch, machten nur an einem Platze, welches Patako e Meio hiess, etwas halt. Morgens um acht Uhr begegnete ich meine Schwester, welche mit ihren zwei Kinder, Maria und Pfilippine in einer portugiesischen carreta fuhr. Wie freuten wir uns! Wir und die Kinder mussten doch weinen ueber dies traurige Wiedersehen! Waehrend meine Schwester dicht bei Dacoloni in einem Hause blieb, marschierten wir weiter bis dicht an Aldeão dos Anjos, wo wir Lager aufschlugen. Des anderen Morgens wurde Schnabs und Fumo unter die Mannschaft ausgestellt, und auch ich bekam einen Schluck Schnaps und ein Stueck Fumo von ganz zwei Zoll Laenge. Dies war auch das Einzige was ich waehrend meiner fuenfjaehrigen Dienstzeit von den Farrapen bekam. Hierauf wuerden alle Familienvaeter aufgefordet vorzutreten, nachdem dies geschehen war wurde ihnen mitgeteilt das die Farrapen wegen Mangel an Munition sich zurueckziehen muessten, es ihnen freigestellt sei nach Hause zu gehen. Jedoch die Maenner erklaerten jedenfals aus Furcht vor der Gefangennahne durch die Kaiserlichen, lieber mit der Farrapen zu ziehen und sie liessen die Freiheit hoch leben. Nun ging es weiter auf unserem Rueckzug und wir setzten am Fluss Rolante ueber. Unterdessen wollte der General Bento Gonçalves uns zu Hilfe kommen und war schon bis zum Campo Bom gezogen, dort erfuhr er durch seine Spione dass wir schon ueber Rolante retiriert sein und von den Kaiserlichen verfolgt wuerden. Es war fuer ihn nun zu spaet und er musste unverrichter Sache wiede zurueck. Er zog mit seinem Heer ueber den Portão durch Rio Pardo bis nach Alegreto, waehrend wir unseren Rueckzug fortsetzten.

Von Rolante zogen wir nach Cruzinha, hier hielten sich fuenf Schwarze auf welche unsere Infanterie schossen. Diese machte jedoch gleich Platonfeuer auf sie, das drei Schwarze fielen, die andere zwei aber im Walde entsprangen. Nun sofort ueber die Toten her wie die Aasgeier! Wir rissen ihnen die Kleidungstuecke vom Leibe herunter. Dann wurde gepluendet: Die Ochsen, die Kuehe und die Schweine und die Huehner geschlachtet, der gruene Milho von der Plantage gebraten, die Aboboras gekocht und das Zuckerrohr ausgezuggelt. Am anderen Tage kamen wir in der Entrada auf Cima da Serra an. Hier sah ich auch der Grausamkeit eines Gelben zu: Welcher einen zwei drei jaehrigen Ochsen lasste und mit einem kaum vier Zoll langen Messerchen in einem Nu die Flechsen der Hinterbeine durchschnitt und ihn dann einen Stich in die Brust gab, worauf das Tier zusammen stuerzte. Hierauf schnitt er ihm die beiden Viertel der einen Seite ab, loeste das Fleisch von den Rippen und brach diese dan ab. Danach warf er das Tier auf die andere Seite und bei dem alle lebte das Tier noch und schlug noch mit dem Hinterhufe. Nun wurde Spiessbraten gemacht von dem Fleisch, welches mit der Haut gebraten wurde und ohne Salz, ohne Farinha und ohne Erva Mate gegessen wurde.

Hier blieben wir ungefaer vier Monate in welcher Zeit nur Fleisch unsere Speise waren, die Asche diente als Salz. Danach zogen wir wieder weiter ueber die Rios das Tainhas da Camisa das Antas bis nach Vaccaria, wo die Pferde nebst Bagage auf der Fazenda von Pinto Carneiro blieben. Die Hauptforça zog dem Feind Lorira nach bis nach Lages. Derselbe fluechtete jedoch immer weiter und wir konnten ihn, da er sich immer die besten Pferde vorneweg nahm und nur die schlechteren zurueck lies, nicht einholen.

Wir zogen deshalb wieder durch die Vaccaria zurueck bis zur Villa Velha, wo wir ein Oficio erhielten: wir sollten uns so schell wie moeglich zurueckziehen. Nun ging es in Eilmaersche Tag und Nacht den Matto Portugues, Campo do Meio, Mato Castelhano bis an Cruz Alta. Durch diese Maersche und durch dies elende Leben waren wir alle sehr herunte gekommen, unsere Kleider waren zerrissen und hingen uns in Fetzen vom Leibe herunter, sodass wir beinahe nackend gingen, denn wir bekamen ja keine Kleidungstuecke geliefert.

Läuse hatten wir wie Gerstenkoerner, denn wer konnte sich derselben erwehren, und ich moechte denjenigen sehen der in Brasilien Soldat gewesen waere und keine Läuse gehabt haette. Die Caramurus hatten unterdessen Rio Pardo belagert und es kam an uns eine Order uns mit den uebrigen Republikaner zum Einsatz in Rio Pardo zu vereinigen. Wir zogen nun die Serra am Vutucarahy herunter auf Rio Pardo los wo sich das ganze Rebublikaner-Heer vereinigt hatte. Jetzt wurden die Consilium gehalten, wie und wann die Schlacht sein sollte. Am 30 ten April 1836 um sechs Uhr morgens wurde der Feind mit lauten Hurra-geschrei angegriffen, geschlagen und beinahe ganz aufgerieben. Den dritten Tag zogen wir durch Rio Pardo mit Cavalhada und Bagage. Es waren noch Spuren des Kampfes zu sehen, viele Leichen lagen noch in den Strassen umher: graesslich verstuemmelt und allerKleidungstuecker beraubt; der Leichegeruch verpestete die Luft.

Nach dieser Schlacht, welche fuer die Rebublicaner so guenstig ausgefallen war, hatten wir wieder Hoffnung in unsere Heimat zurueck zu ziehen koennen und duerfen. Wie wir gehofft geschah es auch: doch gebrauchten wir vier Wochen bis wir von Rio Pardo wieder in São Leopoldo ankamen. Dort wurden wir entlassen und konnten wieder Heim. Nun dachten wir jetzt sollten Ruhe haben; doch nach kaum einen Monat kam wieder Order fuer uns wir sollten zum Dienste antreten. Jetzt wurde ich Ordenanz beim Tenente Karl Wilk an São Leopoldo bei Adam Hoefel. Daselbst war auch ein alter Schlappenmacher namens Michel Kern, der nagelte Schlappen auf. In meinen Freistunden ging ich oft zu ihm auf den Speicher und unterhielt mich stundenlang mit ihm und sah ihm bei seiner Arbeit zu. Dabei dachte ich nach und nahm mir vor spaeter, wenn ich ausser Dienst sei, mich auch darin zu ueben.

Bald darauf zog mein Stiefvater nach Santa Maria da Bocca do Monte um dort etwas zu verdie-nen weil er in der Plantage nicht arbeiten wollte. Meine Mutter und ich waren nun alein und auf unsere Arbeit angewiesen. Da hiess es auch: tuechtig zugegriffen, denn gepflanzt war beinahe garnichts. Geld hatten wir keines und die Farrapen bezahltem weder Sold noch gaben Fardamentos. Jetzt verlegte ich mich auf das Anfertigen von Schlappenhoelzer und ich verkaufte sie obgleich sie sehr schlechtgemacht waren, weil es mir am noetigen Handwerkzeug fehlte. Doch weil keine andere zu haben waren kauften sie alle ab.

Ich war nun schon vierzehn Jahre alt und fing an ueber mich selbst und ueber mein Leben nachzudenken. Ich konnte noch nicht keine Zahl schreiben um die Schlappenhoelzer zu markieren, denn in der Revolutionszeit dachte ja niemand daran Schulen zu unterhalten oder zu besuchen. Wie ich so darueber nachdachte fiel ein Mann ein auf dem Hamburger-Berg namens Heinrich Schmidt derselbe hielt Schule, war zugleich protestantischer Pfarrer und predigte Sonntags das Evangelium. Sah ich andere rechnen, schreiben oder lesen so wurde ich ganz traurig darueber das ich das auch nicht konnte beschloss ich bei mir es auch zu lernen. Ich klagte mich meiner Mutter und sagte ihr ich wolle mit dem Pfarrer Schmidt sprechen, man nannte Pfarrer Schmidt wegen seiner kleiner Natur nur de Pfaffen.

Gibt er mir keinen guten Bescheid, so ist ja auch weiter nichts verloren, sagte ich mir und ging zu ihm um ihn zu fragen ob er mich als Schueler annehmen wolle. Pfarrer Schmidt war sehr freundlich und nahm mich gerne in seine Schule, einen Soldat der schon zwei Jahre bei den Rebublikaner gedient hatte. Ich ging also dann in die Schule, von meinem verstorbenen Vater existierte noch eine alte Tafel, ein zwei Zoll langes Stueck Griffel und ein altes ABC Buch. So ausgeruestet besuchte ich nun die Schule zwei Monate lang. Nun hiess es auf einmal wieder die Carmarus kommen und alla welche am Zuge ueber die Serra beteiligt waren sollten gefangen und nach Bahia transportiert werden.

Die deutsche Kompanie des Major Gesting war in Carioca uebergesetzt und bis zum Portão vorgedrungen, musste sich aber bis an den Cahy zurueckziehen, wo sie sich einschifften und an Porto Alegre fuhren. Nach zwei Monate war wieder alles ruhig und ich konnte den Schulbesuch, der natuerlich waehrend dieser Zeit ausgefallen war, wieder frisch aufnehmen. Ich musste mehr als eine Stunde laufen bis zur Schule. Waehrend ich auf der Schule aufhielt, musste meine Mutter Holzbloecke aus dem Wald heim tragen, welche ich zu Schlappenhoelzer gebrauchte. Nachmittags machte ich Schlappenhoelzer und Abends nagelte ich noch ein oder zwei Paar auf. Ich konnte nun schon Zahlen schreiben und mit einiger Not bustabieren. Ich sollte nun konfirmiert werden. Da hiess es wieder: alles wurde wieder unter die Waffen gerufen, doch gluecklicher Weise waren sie nur auf den Durchmarsch begriffen. Sie durften sich nicht lange aufhalten, sonst wäre ihnen der Rueckweg abgeschnitten worden, so schlueften sie wieder lieber in ihre Hoele, wie man damals so sagte. Nach einem Monat konnte ich wieder die Schule besuchen und der Schlappenmacherei nachgehen.

Ich verdiente dadurch schon soviel dass ich mir etwas Kleidungsstuecke kaufen konnte. Ich besass damals zwei Katunhemden, ein Morinhemd , ein paar Riscado-hosen, ein Paar rindsleder Stiefel, eine blaue Jacke und einen von Bambusch geflochtener Hut, welcher ich auf fuenf Paar Hozschlappen verhandelt hatte. Hierauf acerdierte ich die Belieferung von hundert Paar Holzschlappen mit Johan Peter Schmidt von Hamburger-berg. Das Leder dazu gab es mir zum Preise von sechzehn Taler.

Fuer das geloeste Geld kaufte ich mir einen Reise-Poncho fuer elf Taler. Nachdem mein Stiefvater etwa ein Jahr fortgewesen war, kam derselbe kurz vor meine Confirmation wieder an. Nach den Feierlichkeiten dachte ich es sei gut wenn ich noch einige Zeit in die Schule ginge, und hat meinem Stiefvater um Erlaubnis bei einem Lehrer Hans, welcher bei unseren Nachbar Michel Wasen Unterricht erteilte, in die Schule gehen zu duerfen. Ich wollte das Unterrichsgeld aus meiner Tasche bezahlen; daselbe betrug jeden Monat ein Patak, somit koennte ich, da ich noch neun Patak gespartes Geld hatte, noch neun Monate die Schule besuchen.

Doch anstatt mir die Erlaubnis zu geben, nahm mir mein Stiefvater das Geld ab und erklaerte mir dass ich zu alt sei um noch in die Schule zu gehen: ich muesse Schlappenhoelzer machen. Ich war gerade fuenzehn Jahre alt, aber denke ich doch noch nicht zu alt um noch etwas zu lernen.

Um diese Ungerechtigkeit meines Stiefvaters wurde ich so erbittert, dass ich beschloss es meinen anderen Geschwistern nachzumachen und das elterliche Haus zu verlassen. Nach vier Monate ging ich auch wirklich fort in ein Nachbarhaus und machte dort Schlappen. Kaum war ich einige Zeit dort, so musste ich wieder Soldat werden und zwar zuerst bei Kapitain Normark denn bei Tenente Karl Wilk und hierauf bei dem Major Correia, dieser letzter war ein Haupt-halunke, waehrend Karl Wilk ein guter Mensch war. Major Correia ist derselbe, welcher spaeter meinen armen Schwager Fidge ermorden liess. Correia hatte naemlich in Folge eines Requerimento, welches mein Schwager an den General Bento Gonçalves gerichtet hatte, von diesem General den Befehl erhalten sich zurueck zu ziehen, weil er die ganze deutsche Colonie ruinierte. Von einem Vaereter wurde dem Correia hin gebracht dass mein Schwager der Urheber jenes Requerimentos war. Nun konzentrierte sich der ganze Hass des erbaermlichen Correia auf meinen Schwager, und war dessen Tod beschlossene Sache. Durch eine ihm ergebene Creatur, einen gelben Tenente Cunha liess er meinen Schwager zu sich ins Acampamento rufen, gab jedoch demselben Befehl ihn unterwegs zu ermorden, welches Verbrechen derselbe auch unweit von São Leopoldo, dicht bei Hause Mohr beging. So hat mein Schwager, der fuer das Gemeinwohl sogen wollte, dieses Vorhaben mit dem Tod bezahlt. Major Correia musste nach diesem zu der Haupforça bei Porto Alegre abziehen. Meine Schwester Christine blieb also mit ihren zwei Maedchen Maria und Phillipina zurueck.

Sie wandte sich, da mein Schiegervater sich nicht um sie kuemmerte, an einen sehr guten Freund ihres Mannes namens Alberto, welcher lange mit ihrem Manne gearbeitet hatte, und ein Ziegelei am Passo Pesqueira, auf dem Weg nach São Leopoldo, um ihre Sachen daselbst zu holen. Sie war begleitet von einem alten Neger namens Matheus, einer treuen redlichen Seele. Es war Winter und die Wege waren recht schlecht, deshalb dauerte meine Schwester den alten, welchen ich schon als kleiner Junge sehr gut kannte und sagte zu ihm mals an die Boa Vista, herzu der Kapela Sant-anna kamen: “Matheus, gehe zurueck der Weg ist schlecht und da ich hier bei Chariel ueber Nacht bleibe, brauche ich dich nicht mehr”. Das war das das letzte Lebenszeichen von meiner Schwester, denn dort auf dem freien campo ist sie verschollen und es ist nie mehr eine Spur von ihr ans Tagelicht gekommen. Man glaubt stark daran dass derselbe Cunha, der auch ihren Mann umbrachte es auch an ihr geworden ist, denn derselbe arbeitete naemlich damals gerade auf der anderen Seite von Portão. Wie leicht konnte er der armen hilflosen Frau auflauern und sie dann toeten, denn er wusste ganz genau dass die den Moerder ihres Mannes kannte. Dies wusste ich sehr gut durch den Vorfall den ich jetzt erzaehlen will: Eines Tages waren meine Schwester und ich bei Adam Hoefel in Neustadt, dieser fragte meiner Schwester so im Gespraech ob sie denn nicht wuesste wer ihren Mann umgebracht haette, in diesem Augenblick ging gerade der Cunha am Hause vorueber; als meine Schwester ihn sah, zeigte sie mit dem Finger nach ihn und sagte: das ist der Moerder!! Der hat meinen Mann abgeholt! Cunha, der diese Worte gehoert und verstanden haben muesste, drehte sich mit heimtueckischem Laecheln um und sagte: Lass es sein, einen Tag bezahlt du mir das! hieraus schliesse ich dass es kein anderer als eben dieser Cunha war der meine Schwester ermordete.

Cunha erhielt spaeter auch den Lohn fuer seine Freveltaten, indem er von einem anderen mit welchen er Streit beim Kartenspeil hatte, und welchem er drohte: “Wart nur wir treffen uns ein andermal”, erschossen wurde als er gerade zur Tuer der Farinhamuehle hinein wollte. Er rief aus, als er fuehlte das er toetlich getroffen sei: “Ich fuehle das ich sterben muss, doch das macht nichts, ich habe ja auch schon sieben ermordet”.

Als ich im Jahre 1837 auf Kapella Sant-Anna war, traf ich daselbst einmal den Schwarzen, welcher meine Schwester mit ihren Kinder noch recht gut gekannt hatte, derselbe erzaehlte mir das Alberto und dessen Frau schon lange tot sein, die Soehne derselben aber noch lebten. Ich liess dieselben unbekannter Weise herzlich gruessen und bedankte mich bei ihnen fuer ihre Eltern viel tausendmal fuer die Wohltaten welche sie meiner Schwester erwiesen hatten. Nachdem Correia abmarschiert war, bekam unser Tenente Karl Wilk ein office das wir unter Waffen treten muessten. Wir muessten also schon wieder antreten und Waffen auf den Waffen auf den Kaiserberg tun; dazu waren sechzehn Mann commandiert, und muessten immer vier Mann vier Tage lang Wache halten. So ging es damaliger Zeit zu. Kaum hatte man einige Tage Ruhe musste man wieder in Dienst. Dass dadurch aller Handel und Wandel gestoert wurde kann niemand Wunder nehmen.

Die Geschaefte gingen recht schlecht, doch war ich ja bis dahin noch nicht an Gutes gewoehnt gewesen. Ich war im 17 Jahre, hatte noch nichts gelernt und so gruebelte ich auf der Wache, wo ich genügend Zeit hatte über meine Zukunft nach. Ueber der uebrigen, wachentuende Mannschaft befanden sich auch mehrere Familienvaeter, welche zu Hause notwendige Arbeit hatten. Von diesen sprach einer, Johannes Schönardie, zu mir: Heinrich, Du kannst fuer mich die Wache tun, ich gebe Dir ein Patak Silber. Du kannst auch bei uns essen und schlafen. Es wurde nur am Tage Wache getan. Ich dachte: besser wenig als garnichts verdient und nahm das Anerbieten an. Dadurch kam ein anderer, welcher mir nur zwei Patak Kupfer bot, wenn ich fuer ihn die Wache tue. Ich dachte daran wie ich schon fuer zwei Ventim in der Plantage geputzt hatte und nahm auch dieses Anerbieten an. Eines Sonntags-nachmittags, am dritten Tag meiner Wache auf den Kaiserberg kamen ploetzlich von den Kaiserlichen, die uns verfolgten, auf unserem Standort zu. Drei von ihnen kamen ganz keck bis an den Fuss des Berges, waehrend die anderen zurueck blieben. Wir, Jacob Wasen und ich waren ganz allein und feuerten gleich einen Signalschuss ab wie verabgeredet war, dass sich alle, die ihre Pferde bei Tag und bei Nacht zu jeder Stunde fertig haben mussten, auf dem Kaiserberg versammeln sollen.

Die Kaiserlichen wurden immer dreister, sie stiegen von den Pferden, legten ihre Buechsen auf die Saettel, visierten und schossen das uns die Kugel nur so um Ohren pfiffen. Doch ganz herauf wagten sie nicht, denn sie wussten nicht wie stark wir waren. Wir mit unseren kurztragende Pistolen konnten ihnen keinen Schaeden tun. Die von uns herbei gerufene Hilfe wollte aber immer noch nicht kommen, wir feuerten darum noch einige Signalschuesse ab. “Wenn nicht bald Hilfe kommt” sagte ich zu meinen Kameraden, “wirst Du sehen dass wir Reissaus nehmen muessen, ein Donnerkeil soll die frechen Kerle verschlagen”. “Ach was, antwortete Jacob,” das waere ja eine Schande fuer die Rebublikaner wenn sie uns hier im Stich lassen wuerden.”

Jacob hatte ein gutes Pferd, ich aber einen alten schlechten Matunko, auf dem ich mich nicht verlassen konnte. Sehnsuechtig blickten wir immer wieder nach Hilfe aus. Endlich sehe ich den Peter im Galopp ankommen. Freudig rufe ich dies meinem companheiro zu und da kamen auch noch mehr: der Peter, der Valentim und der Franz, alle in blanken carreira. Hurra! Jetzt wartet nur ihr Kerks, wie wir euch toeten werden! Wie die Kaiserlichen sahen dass wir Hilfe bekamen gaben sie auch schon Fersengeld und wir hinterher, verfolgten sie bis in den Urwald. Nun ritten wir wieder langsam zurueck bis zu unserem Kaiserberg.

Der Kaiserberg ist nicht sehr hoch und liegt inmitten der deutschen Kolonie, schon frei, sodass man von ihn nach allen Seiten ausschauen konnte. Wegen dieser schoenen Lage hatte sich die Kaiserin ihn auch als Bauplatz fuer ihr Schloss ausgesucht. Weil wir den Feind zurueck gejagt hatten, schien uns die Gefahr nicht mehr so gross. Wir hatten jetzt wieder Zeit zur Ruhe und ich konnte meine Zukunftsplaene wieder ungeniert nachgehen. Lesen, rechnen und schreiben verstand ich sehr schlecht. Ich dachte: was soll ich lange waehlen, ich werde Schuster, da kann ich mein Brot im Schatten verdienen, denn ich dachte noch immer daran wie ich fuer Ventim per Tag in der Plantage geputzt hatte und wo der Milho ganz gelb von lauter Schleppgrass waren.

Ich stellte, weil ich der kleinste und der juengste meiner Kameraden war, diesen meinen Vorsatz vor, alle: Jacob, Friedrich, Johann und Valentim gaben mir Beifall. Einen Vater, der mir raten und helfen haette koennen, hatte ich ja nicht mehr. Ich machte mir denn gleich danach einen Meister aus, und ging zu ihm nachdem ich am 4 ten August 1840 Abschied vor meinen Kareraden genommen hatte. Kaum war ich aber acht Tage dort als die drei Kerle, welche wir vor zwei Monate verfolgt hatten dorthin kamen. Gluecklicherweise erkannten sie mich nicht mir haette es sonst schlecht ergehen koennen, doch dachte ich: hier ist gut sein!

Ich ging von dem Meister fort und trat bei einem anderen Mann namens Wilhelm Hartz in die Lehre wo ich auch auslernte. Am 25 Maerz 1842 verheiratete ich mich mit Elisabeth, die Tochter von Johann Schoenardie und seiner Frau Maria Elisabeth geborene Zollinger. Wir wurden getraut durch den Pfarrer Heinrich Schmidt, derselbe hatte mich auch konfirmiert.

Die Revolution war unterdessen immer noch nicht zu Ende, der Frieden war noch nicht geschlossen, jedoch war schon wieder Handel auf der Kolonie, denn die Rebublikaner hatten sich nach der Campanha zurueck gezogen. Ich wollte zuerst acht Monate bei meinen Schiegereltern wohnen. Wir waren alle sehr arm. Niemand hatte ein Pferd oder eine Melkkuh, hernach baute ich mir eine Strohhuette auf meines Vaters Kolonie am Kaiserwald und legte eine kleine roça an. Ich arbeitete auf der Schusterei, machte Schlappenhoelzer und nagelte Schlappen auf. Da aber die Leute so arm waren und deshalb barfuss gingen, machte ich schlechte Geschaefte. Meine Frau war fleissig und haushaelterisch und stand mir immer treulich zur Seite. Wir quaelten und arbeiteten uns so durch ohne Schulden zu machen, denn das Borgen war damals nicht Mode. Und so konnten wir uns doch nach und nach zwei Reitpferde und drei Melkkuehe, die von der campanha kamen, anschaffen. Zwei der Melkkuehe starben bald darauf an die Pest, was auch ein harter Schlag fuer mich Anfaenger war. Das waren neunzehn Silbertaler die mir die Aasgeier frassen. Am zehnten Dezember 1844 wurde uns ein Sohn geboren und bald darauf auf den Namen Heinrich getauft.

Weil die Zeiten wieder schlechter wurden, gedachte ich meines Bruders, welcher schon sechzehn Jahre in der campanha wohnte. Ich schrieb an ihn und fragte ihn an ob dort gute Geschaefte zu machen seien. Mein Bruder antwortete mir bald darauf dass ein Schuster dort sehr gut durchkommen koennte. Darauf hatte ich Lust hinzumachen. Die Hauptschwierigkeit fuer mich bestand darin nach dem Wohnort meines Bruders hinzukommen, denn erstens hatte ich kein Geld, zweitens wusste ich den Weg nicht und drittens konnte ich kein portugiesisch sprechen.

Spaeter schickte mein Bruder noch mal muendlich Ordere durch einen gewissen Pfillipp Schneider, wann ich komme wolle sollte ich mich bis zum Monat Mai in Rio Pardo einfinden. Er kaeme mit fuenf Carreten dort hin und koenne mich dann mitnehmen. Mein Bruder war ein fleisiger, arbeitsamer Mensch, welche aber arm war und durch seine Frau nicht vorwaerst kam. Er war naemlich mit einer Brasilianerin verheiratet, einer Herzensguten Frau, aber die Brasilianerinnen sind ja an das Arbeiten nicht gewoehnt, so kam bei dieser auch die Chocolateira, Chaleira, Teecuia und mit Zucker und Chimarrão den ganzen Tag nicht ausser Taetigkeit. An Gaeste fehlte es bei Tische niemals, wie es ja in brasilianischen Häuser Sitte ist, aber natuerlich ohne Geld. Ich waere nun doch gerne hingereist und besprach mich darueber mit meiner Frau. Dieselbe meinte, wenn ich dort etwas zu verdienen gedaechte, sollte ich allein hinreisen. Sie sollte mit unseren Kindern zurueck bleiben. Fuer den solle ich Melkkuehe auftreiben und mitbringen. Ich antwortete ihr das ich dasselbe auch schon gedacht haette und suchen wolle zehn Melkkuehe mitzubringen. Denn dan koennten wir ein gemuetliches Leben fuehren , denn das Pfund Butter kostete damals 380rs und das Dutzent Handkaese eben soviel. Es schmeckt nichts ohne Versuch und ich beschloss nun ueber Wasser hinzureisen. Ich erkundigte mich in São Leopoldo bei Matheus Sefrei ob er nicht bald ein Lanchão nach Rio Pardo schicke. Er antwortete mir das Ausgang andere Woche ein Lanchão nach dort abginge und ich versprach ihm mitzufahren. An Passage und Fracht fuer mein Handwerkgeschirr und einer Pack Leder sollte ich sechzehn Milreis bezahlen. Am dreizehnten Mai 1845 nahm ich Abschied von Frau und Kinder und ging nach São Leopoldo um mich einzuschiffen.

Da es nun dem Matheus an einem Matrosen fehlte, sagte er zu mir “Heinrich, Du kannst rudern helfen auf der Fahrt und brauchst dann nichts zu bezahlen”. Ich erwiderte ihm dass ich noch nie gerudet haette doch meinte er das schade nichts, das lerne ich. So wurde ich auch Matrose.Am 14 ten Mai fuhren wir von São Leopoldo ab und legten in Carioca an, wo wir Kaffe kochten. Dann fuhren wir eine stunde weiter, landeten, banden das Schiff fest und legten uns schlafen. Ploetzlich erwachte der Jacob Sefrein und hoerte das Wasser im Schiff rauschen, er Weckte alle sogleich auf und rief Matheus, heraus, das Schiff hat ein Loch”. Sofort war alles in Taetigkeit,das Loch wurde bald gestopft und das Wasser heraus gepumpt. Die untersten Saecke unserer Ladung, welche aus Farinha de Mandioca bestand, waren nass geworden und wir mussten deshalb in Tres Porto anhalten und ausladen, die nasse Farinha wegwerfen und wieder einladen. Nun fuhren wir weiter und legten abends in einer Bucht an, da ein schweres Gewitter am Himmel stand. Es regnete auch die ganze Nacht, den ganzen folgenden Tag sodass die Gewaesser des Rio Jacuhy anschwollen. Wir mussten gegen die Stroemung fahren und kamen deshalb nur lagsam vorwaerts.

In Triunfo wurde noch ein Matrose angestellt. Gewoehnlich braucht man zu einer Reise von São Leopoldo nach Rio Pardo acht Tage, wir aber brauchten 15 Tage dazu und standen jeder Lebensgefahr aus, weil unser Schiff alt und faul war. Die Lebensmittel wurden auch knapp, Fett und Fleisch und Salz waren nicht mehr da. Morgens vekamen wir Tee mit Farinha ohne Zucker, um 10 Uhr morgens und abends bekamen wir Kartoffel ohne Fett und ohne Fleisch. Ich wurde dadurch so kraftlos dass ich in Ohnmacht fiel. Endlich kamen wir in Rio Pardo abends an. Des anderen Morgens erkundigte ich mich nach meinen Bruder, welcher durch das hohe Wasser nicht angekommen war. So war ich denn allein in der grossen Stadt. Mittags kam ein Schuster und Schlappenmacher namens Heinrich Trause zu uns aufs Schiff und fragte mich ob ich nicht bei ihm in Arbeit treten wolle, er bot mir fuer das Paar Schlappen aufnageln 40rs. nebst Kost, Wohnung und Waesche. Ich dachte bei mir: da kannst du lange Schlappen aufnageln bist du eine Melkkuh verdienst hast. Doch ich nahm die Stelle an weil mein Bruder noch acht vielleicht 14 Tage wegen des Hochwassers ausbleiben konnte, jedoch nur unter der Bedingung dass wenn mein Bruder kaeme ich mit demselben fortginge. Jeden Tag ging ich dreimal an die Bruecke und erkun digte mich bei den Reisenden, die von der Campanha kamen, nach meinem Bruder. Derselbe kam dann auch nach acht Tage und machte seine Einkaufe in der Stadt. Ich kaufte mir nun ein Pferd fuer 16 milreis, ein Sattelzeug hatte ich mir mitgebracht. Wir ritten nun zusammen ab, kamen bis Cruz Alta, fuenf Stunden hinter Rio Pardo und dort bei einem Carretenmacher namens João Batista, eines bekannten meines Bruders, uebernachteten wir. Nun fing es aber fuerchterlich zu regnen an, sodass alle Baecher und Fluesse anschwollen und aus den Ufer traten. Es war damals in Juni 1845 eine der groessten Ueberschwemmungen die jemals stattfand. Das Wasser ging ueber das Gelaender der Rio-Pardo-Bruecke. Wir konnten nun nicht weiter und waren zum Stillliegen verurteilt. Waehrend dessen fand auch der richtiger Eigentuemer meines Pferdes welches gestohlen war und mir von den Spitsbuben verkauft. Und jetzt wurde es mir ohne weiteres abgenommen. Das war wieder ein schwerer Verlust fuer mich, denn Geld hatte ich keines mehr, auch waren die Pferde damals, als gerade die Revolution aufgehoert hatte, sehr rar. Also ging ich zu Fuss mit meinem Bruder am 17 ten Tag, so lange hatten wir liegen bleiben muessen, den 26 Juni von Cruz Alta fort.

Die Reise ging ueber Vutucarahy, São Lourenço, Santa Barbara, São Sepé bis wir endlich in São João dos Palmos ankamen wo mein Bruder wohnte. Sein Haus dort war ebenso wie die Häuser der armen Bewohner sind in der Campanha. Ich war nur froh dass wir unser Reiseziel am erreicht hatten, denn auf der Reise hatte ich wieder viel auszuhalten gehabt. Ich sah bald ein dass die zehn Melkkuehe nicht so leicht zu verdienen waren, und dass einem in der Campanha auch nicht die gebratene Tauben in den Mund flogen. Ich fing also an zu arbeiten, die Preise waren garnicht so schlecht, denn fuer ein Paar halblange Stiefel von Vaqurt oder Rehleder bezahlten sie 10 bis 12 milreis. Botinas waren nicht in Mode, Chinellas kosteten das Paar 3 mil-reis, fuer Frauen 2mil, die Kinderschlappen 500 rs. und Maennerschlappen 1 milreis.

So haette ich gute Geschaefte machen koennen, wenn das Pumpen nicht so sehr Mode geworden waere und wenn nicht so viele Velhacos dort aufgehalten haetten. Besonders soll sich jedermann vor den vielen Deutschen hueten, welche sich in der Campanha herumtreiben: das sind die schlimmsten. Mein Leder wurde bald alle weil ich nicht viel hatte mitnehmen koennen, da dort das Leder zu rar war. Ich musste also wieder heimreisen um mich frisch mit Leder zu versorgen. Auf der Heimreise schwebte ich dreimal in lebensgefahr: bei passieren von mir unbekannte, angeschwollene Fluesse.

Ich kam aber gluecklich zu Hause an, machte meine Einkaufe und am 25 Oktober nahm ich wieder Abschied von Frau und Kinder um wieder nach der Campanha zu reisen. Am 10 ten November kam ich wieder in São João dos Palmos an und begann wieder frisch zu arbeiten. Mein Bruder machte bald darauf eine Reise nach São Borges. Ich musste in sei-nem Hause viele Arbeiten verrichten die mir nicht zukamen. Mein Bruder hatte kein eigenes Land und woh-nte bei einem Estancieiro, dieser kannte die Verhaeltnisse sehr gut und hatte Freude an allen denen welche richtig arbeiteten. Er bot mir an er wolle mir 2 Zimmer neben der Ochsenmuehle geben und auch Kost in seinem Hause. Ich nahm sein Anerbieten mit Freuden an, denn der Mann behandelte mich sehr anstaendig und sehr gut. Als ich mein Leder wieder alles verarbeitet hatte, gedachte ich nach Hause zu machen. Von dem Plan Melkkuehe zu kaufen, stand ich ab und kaufte von verschiedenen Herren 15 Stueten sowie 5 Pferde und einen Hengst um zu Hause eine Pferdezuechterei anzufangen. Damit mir jedoch nicht der Vorwurf gemacht werden koenne ich wolle Pferde auf andere Leute Eigentum ziehen, kaufte ich meinem Bruder seine Anteil an der Vaeterlichen Kolonie fuer 100 Silbertaler ab. Nun wollte ich die Stuten zusammentreiben, aber ich war dazu nicht imstande, denn diese eguas lassen sich nicht fangen, so brachte ich nur 9 Stuten und 3 Pferde zusammen. Nun wollte ich meine Austaende eintreiben und dann nach Hause zurueckkehren. Ich brachte nur 50$00 bares Geld zusammen, bei einem musste ich fuer 150 milreis, die er mir schuldete, ein Paar Sporen im Werte von 100 milreis annehmen, sodass ich allein bei diesem 50.$000 verlor Ausserdem hatte ich noch cerca 200 milreis in schlechten Haenden stehen, die ich auch als verloren betrachtete. Ich hatte wenigstens Portugiesisch sprechen gelernt und mir auch durch Schaden im Umgang mit Menschen, klueger, vorscichtiger und erfahrerner geworden. Jetzt musste ich aber nach Hause machen, konnte zurueckbleiben oder verloren gehen was wollte. Auf der Heimreise erfuhr ich wieder nichts gutes. Es regnete viel und beim Uebersetzen am Santa Barbara verlor ich 3 meiner besten Stueten und 2 wurden Muede, sodass ich sie fuer einen Spottpreis zuruecklassen musste. Am 22 November 1846 kam ich denn mit nur vier Stueten und 3 Pferde zu Hause wieder an. Jetzt nahm ich mir einen Gesellen namens Heinrich Fleck und wir machten eine Partie Schuhseuge als lange und kurze Stiefel und Chinellas fertig. amit machten wir dann am 23 ten Juni 1847 nach der Campanha um zu hausieren, meinen Gesellen nahm ich als Peão mit. Hinzugs von-Taquary fing ich schon wieder an auszuborgen, doch verkauften wir auch gegen bar und tauschten auch Pferde und Stuten gegen Schuhzeug ein. Wir gingen durch Formigueira, Boqueirão ueber São João, Casapava, São Gabriel und von dort zurueck nach São Sepé, dort verborgte ich den Rest Schuhzeug. Ein Deutscher, der sich dort aufhielt, versprach mir meine dortigen Ausstaende einzutreiben und auch Pferde fuer die Schuld fuer mich anzunehmen. Der selbe betrog mich aber spaeter ganz schaendlich. Darauf ging ich wieder nach Hause wo wir am 24 ten November 1847 ankamen. Ich hatte zwar Geld mitgebracht, musste aber, da ich nichts hatte pflanzen koennen, stets die Hand im Saeckel haben und so war bald alles ausgegeben. Ich zaumte meine Plantage ein und haute noch ein Stueck Wald dazu und pflanzte milho und mandioca. Hierauf kaufte ich mir in Capella Sant’Anna einige Melkkuehe, schusterte und machte Schlappen und arbeitete in der Plantage. Jedoch das letztere konnte ich nicht aushalten und kaufte daher in Gemeinschaft mit Georg Wallauer bei Pfillip Gruen 24 lavrierte Sattelzeuge zu 19 milreis das Stueck und reiste damit am 28 ten Januar 1848 nach Cima da Serra um dieselben dort zu verkaufen.

Wir nahmen unser Weg ueber Taquara do Mundo Novo, wo wir morgens mit 4 Packpferde weggingen. Der Weg von Taquara nach der Serra war zu jener Zeit noch recht schlecht, auch waren noch keine Bewohner am Wege wie jetzt. Nach unser Abreise fing es heftig an zu regnen und obgleich wir wacker darauf los marschierten kamen wir doch nicht mehr vor Einbruch der Dunkelheit aus dem Walde und waren genoetigt darin zu uebernachten. Wir sattelten ab und banden die Pferde an einem Baum. Denkt unsere Lage, muede, nass und von Lehm bis an den Leib bespritzt, hungrig, denn wir hatten nichts zu essen bei uns, auch konnten wir wegen des Regens kein Feuer anzuenden. Futter hatten wir auch nicht fuer unsere Pferden, welche wir in dieser Wildniss wegen des Tigers nicht laufen lassen konnten.

Am anderen Morgen marschierten wir bis auf den Campo, wo wir unsere Pferde grassen lassen mussten. Nun fing es wieder zu regnen an und der kalte Suedwind liess uns beinahe erstarren. Wir brachen bald wieder auf und marschierten vis zum Hause eines Mannes namens José Velho. Dort machten wir Feuer an und trocknete unsere kleider, ruhten noch einen Tag aus und fingen dann an mit dem Sattelzeug zu hausieren. Wir waren genoetigt dieselbe auf Pferde zu vertauschen, denn Geld existierte wenig auf der Serra. Wir reisten nach der Vaccaria bis in Villa Velha und von dort wieder zurueck, rechts und links ueberall kreuzend, bis wir saemtliche Sattelzeuge los waren.

Danach machten wir uns auf die Heimreise. Im Hause eines Bewohners namens Antonio Sant Pereira am Pinherinho, wollten wir einen Tag aus ruhen und unsere auf der hinreise dortgelassene Sachen mitnehmen. Aus dem einen Ruhetag wurden aber 14 Tage, denn es fing so stark an zu regnen dass der Rio das Antas hoch anzuschwellen begann und wir deshalb nicht passieren konnten. Dieser Rio das Antas ist so streng dass man mit Wasserhoehe von bloss drei Fuss, nur mit Lebensgefahr durchreiten kann. Auf dieser Serrareise hatten wir auch viel zu leiden. Die Serraner waren damals noch sehr arm und konnten uns nichts weiter als Milch, Kaese oder gekochter Milho als Nahrung anbieten. Fleisch gab es garnicht. Froh war ich, als endlich nach siebenwoechentlicher Reise mit unsere Pferde zuhause ankamen. Unterdessen waren viele Pferde von der Campanha gekommen, sodann die Preise derselben sehr gefallen waren. So war ich nun gezwungen die Pferde mit Verlust zu verkaufen um die Sattelzeuge, die ich auf credit hatte, zu bezahlen zu koennen. Der Erloes hierfuer langte jedoch nicht aus die Stuten, die ich vegangenes Jahr von der Campanha mitgebracht hatte, waren auch kaputt gegangen, sodass ich in allen Ecken Unglueck hatte und mit allen meinen Reisen und Strapazen beinahe nichts verdient hatte. Ich nahm mir deshalb vor nicht mehr von zu Hause weg zu reisen und sagte dies meiner Frau “Gott” antwortete sie, “dass es so waere” Ich entgegnete ihr: “Ja, ja du wirst es schon sehen, ich mache jetzt gleich eine Mandioca-Plantage”.

Auch hier mit hatte ich wieder malheur, denn als ich soweit war und Farinha machen lassen konnte, fiel der Preis des Sackes von vier milreis auf 800 rs. Mit Rindvieh hatte ich auch Pech, kaufte ich in einem Jahre 3 Stueck gingen im anderen Jahr gewiss 2 davon kaputt. Da brach bald der Krieg mit Rosa aus und die Regierung liess die Lieferungen fuer das Militaer wie Lanzen, Zaume, Sattelzeug, Schuhe und Stiefel auf der Kolonie machen. “Jetzt” sagte ich zu meiner Frau “jetzt wird es besser”, und es wurde auch besser.

Ich arbeitete auf der Schusterei und meine Frau half mir dabei. Wir verdienten taeglich 2 mil-reis oder auch mehr. Hatte ich eine Anzahl verdient, kaufte ich mir eine Melkkuh, aber wie immer verreckte diese bald aud dem schlechten Campo und konnte ich so nur die Aasgeier fuettern. Durch das unregelmaessige Leben welches ich in der Revolutionszeit und auch hernach gefuehrt hatte, hatte mir meine Gesundheit so Ruiniert, das meine Frau Angst hatte ich wuerde bald sterben. Waere dies eingetroffen, so haette sie sich auf dem Campo schlecht ernaehren koennen. Ich kaufte darum in der Hartz-picade eine Kolonie Waldland fuer 300 milreis und haute eine roça aus. Da ich jedoch dort mit meiner Profission haette verdienen koennen, erklaerte ich meiner Frau dass ich dort nichts zum wohnen baue. Ich war schon ueber dem Waldhauen krank geworden und konnte mich wegen meines kraenklichen Koerpes nicht mit Plantagearbeit ernaehren. Ich wollte gerne auf einen Platz wo gutes Land war und wo ich mit meiner Schusterei was konnte und da fiel mir Mundo Novo ein. Da gerade Peter Bauer von Fortaleza in Mundo Novo seine Kolonie verkaufen wollte, wurde mir dieselbe angeboten und ich kaufte sie ihm im Jahr 1854 fuer 1100 milreis ab. Mein Land am Kaiserwald und in der Hartzpicade verkaufte ich. Ohne alle sonstige Malheur wurde mir auch noch 138 milreis in baaren Geld gestohlen, sodass mir das laengere bleiben auf dem Campo ganz verleidet wurde. Wir wandeten am 6 ten Oktober 1856 nach Mundo Novo und nahmen uns einen Knecht Peter Augustin mit. Wir hatten damals schon 6 Kinder, 4 Knaben und 2 Maedchen. Ein Knabe war gestorben, der aelteste Sohn war 11 Jahre alt und das juengste Maedchen 16 Monate.

Fortaleza hatte damals keinen besonders guten Ruf, es hiess immer das Land sei schlecht. Ich aber, obgleich ich wenig davon verstand, dachte, wo fettes Unkraut waechst da muss es auch Bohnen und Milho geben und so war es auch. Das Land hier ist gut, natuerlich muss man tuechtig arbeiten um es zu halten. Wir bezogen zuerst eine Huette, welch auf der Kolonie stand und gleich fingen wir an Wald niederzuhauen und ein Stueck Capoeira fuer Plantage auszubuschen. Dann zauemten wirdas Potreiro ein und brannten die Plantage, in welcher wir vier Quart Milho pflanten. Hierauf bauten wir eine Kueche und eine Milhohuette, dies war ie Arbeit welche wir, mein Knecht, mein Frau un dich in 3 Monate schafften.

Im ersten Jahr verkaufte ich schon Milho. Im Januar 1857 fing ich wieder an Schlappenhoelzer, Schlappen und Schuhzeug zu machen. Alle fertige Sachen konnte ich an Reisende im Haus verkaufen, denn mein Haus stand dicht an der Hauptstrasse die von Taquara nach Cima da Serra, Vaccaria, Campos Novos bis Lages fuehrt. Bald nahm ich mir einen tuechtigen Gesellen und wir machten gute Arbeit, die sehr gesucht war, waehrend meine Frau und die Kinder in der Plantage arbeiteten und mitunter auch in der Schusterei halfen. Gut war es jetzt das ich in der Campanha portugiesisch sprechen gelernt hatte. Meine Frau und meine Kinder sprachen nicht portugiesisch. Nun ging es immer besser, jeden Tag Geld verdient.

Da unsere Wohnung sehr schlecht war fingen wir 1859 an zu bauen und das Haus wurde 1860 fertig. Zur Einweihung auf Pfingsten hielt ich Musick. Die Baukosten des Hauses betrugen ungefaehr 1.500$000milreis. Neben der Schusterei und Schlappenmacherei fing ich nun auch eine kleine Venda an, denn verkaufen konnte man immer etwas, wenn man nur etwas zum verkaufen hatte. Seht Kinder, so viel hatte ich schon in den 3 Jahren mit unablaessiger Arbeit verdient. Meine Kinder mussten auch fleissig mit arbeiten. Den aeltesten Sohn Heinrich, der keine Lust zur Schusterei hatte, liess ich in Taquara bei Korndoerffer das Schmiedehandwerk erlernen. Der zweite Sohn Georg und der dritte Sohn Johann lernten die Schusterei bei mir. Auf Fortaleza wurden uns noch 7 Knaben geboren. Eine meinem Lande gegenueber liegende 1/4 Kolonie von Gottfried Eberts kaufte ich demselben fuer 475 milreis ab. Nach dem erwarb ich eine an mein Land grenzende Kolonie von F.W. Pohlmann kauflich fuer 1.200$000 und ein Jahr Spaeter noch eine angrenzende Kolonie von Karl Huert auf fuer 1.200$000.

Unterdessen brach der Krieg mit Paraguay aus, und mein aeltester Sohn musste auch mit in den Feldzug, dem Feinde entgegen ziehen. Er kehrte zwar lebend zurueck aber als Krüppel, er hatte das rechte Bein verloren. Ich arbeitete indessen ruestig auf meiner Profission, hielt mir aber immer nur einen Gesellen und lehrte noch zweien meiner Soehne Friedrich und Pfillipp, sowie mehrere fremden Lehrbuben das Schusterhandwerk.

Durch das viele Verborgen nach Cima da Serra, Vaccaria und Lages hatte ich viel Geld verloren und ich nahm mir vor, wenn ich auch weniger Geschaefte machte nur baar zu verkaufen und lieber das verdiente Geld baar auf 6 Prozent auszuleihen. Aber hier hatte ich wieder einen schweren Verlust: ein Gevattermann von mir namens Friedrich Gutke wollte naemlich ein Haus nebst ein Stueck Land kaufen und da er dazu kein Geld hatte bat er mich um ein Darlehen von 2:800$000 milreis. Ich verschaffte es ihm am 30 ten Juni 1870 das Geld zu 6%, womit er nun ein Haus und Land kaufte und ein Geschaeft anlegte. Nach Verkauf von 5 Jahren machte Gutke jedoch Bankrott und starb. Nun sind schon 14 Jahre darueber vergangen und ich habe weder Zinsen empfangen noch das Kapital zurueck erhalten. Die Lage hier ist nicht dazu geeignet das Geschaeft zu vergroessern, ich suchte daher vom ersparten Gelde immer Land zu kaufen, damit meine Kinder ihr Eigentum haetten, und wo sie sich ernaehren koennen. So kaufte ich noch eine Kolonie von José Martins Pires zu 3:000$000rs. Darnach machte ich in Begleitung meiner Frau mehrere Spazierreisen nach Cima da Serra, São Leopoldo, Porto Alegre und São João do Monte Negro um mich zu zertreuen und den Aerger ueber die Verluste los zu werden. Bis dahin hatten sich schon 6 meiner Kinder verheiratet. Spaeterhin kaufte ich von Friedrich Wilk noch 4 Kolonien, gutes Land am Rio da Ilha, zum Preise von zusammen 5 contos de reis. Unser Wohnhaus war ein wenig klein fuer unsere Familie und ich sagte daher zu meiner Frau: “ Wir wollen einen Anbau an unser Haus machen von Ziegelsteinen und drei Zimmer und einen Keller einrichten. Das soll unser Wohnhaus werden, wenn unsere Kinder einmal aus der Schule sind”. Der Plan wurde auch 1877 auszufuehren angefangen, 1878 wurde das Haus fertig. Es ging uns jetzt alles nach Wunsch, Geld wurde taeglich verdient, die Kinder waren gesund und vergnuegt und nur die Gesundheit meiner Frau liess viel zu wuenschen uebrig. Sie hatte schon waehrend des Baues des Hauses gekraenkelt, sich mal besser, mal schlechter gefuehlt. Anfaenglich litt sie keine Schmerzen, bis in Juni 1880 ein Husten ohne Auswurf dazu kam, so dass sie oft Naechte-lang im Bett sitzend und hustend zubringen musste. Drei Tage vor ihrem Tod trat die Wassersucht dazu und ihrem Leiden am 12 Oktober 1880 ein Ende. Sie blieb bis zum letzten Augenblick bei vollem Bewustsein. So verlor ich meine teure, treure Lebensgefaehrtin, welche mir in allen Lebenstage zur Seite gestanden hatte und welche Freude und Leid, schwere und gute Tage treulich mit mir geteilt hatte. Die Kinder welch uns in 38 jaehrigen Ehe geboren wurden sind folgende:

1. Heinrich, geboren am 10 Dezember 1844 – wurde Schmied
2. Georg, geboren am 18 Dezember 1847 – wurde Schuster
3. Katharina, geboren am 26 November 1849
4. Johann, geboren am 30 Juni 1853 – wurde Schuster
5. Paulina, geboren am 14 Juni 1855
6. Friedrich, geboren am 24 Juni 1857 wurde Schuster
7. Johann Ignaz, geboren am 15 Juni 1859 wurde Sattler und Gerber
8. Phillipp, geboren am 6 Juni 1861 – wurde Schuster
9. Friedrich Wilhelm, geboren am 12 Mai 1863-wurde Sattler und Gerber
10. Francisco, geboren am 6 April 1865 – wurde Schneider
11. August, geboren am 16 August 1867 – wurde Tischler
12. Michel, geboren am 21 Dezember 1871 wurde Sattler und Gerber.

Die acht ersten waren beim Tode meiner Frau schon verheiratet mit Ausnahme von Friedrich und Phillipp die sich verlobt hatten. Der Juengste besuchte noch die Schule.

Im Jahre 1881 kaufte ich noch eine ¼ Kolonie von meinem Nachbar Ludwig Huf fuer 625$000 rs. Wenn ich so auf mein Leben zurueck blicke denke ich so meine Pflicht gegen meine Kinder im vollsten Masse erfuellt habe. Ich habe es nie an Arbeit und Muehe fehlen lassen um so weit zu kommen dass ich fuer meine Kinder wie ein richtiger Vater sorgen konnte. Bedenkt dass ich im Jahre 1832 nur 2 Ventin pro Tag verdiente und beim Tode meiner Frau ein Vermoegen von cerca 30 contos de reis hatte, wie das Inventario aufweisst und dass ich sicher nicht Faulenzen verdient habe konnte. Und doch bin ich seit dem Tode meiner Frau nicht immer zufrieden, ich fuehle mich einsam und allein, in dem Wald. Man sagt ja Mann und Weib seien wie eine Person. Manchmal mache ich Spazierreisen um mich zu zertreuen und die Gedanken los zu werden. So reiste ich nach Santa Cruz, Porto Alegre, Rio Pardo, Cachoeira, Jacuhy, Cima da Serra bis in den Bugres-Camp auf die italienische Kolonie. Am 9 ten November 1884 jehrten der Staatsrat Gaspar Silveira Martins und der Oberst Joaquim Pedro Salgado auf einer Wahlreise in meinem Hause ein und fruehstueckten bei mir.

Am 26 ten Februar 1885 reiste ich, begleitet von meinem Brasilianer namens João Fabricio, dem ich pro Tag 1.500 rs bezahlte von zu Hause ab um nach Tramandahy ins Seebad zu gehen. Am ersten Reisetag kamen wir bis Santo Antonio da Patrulha, wo wir ueber Nacht blieben, und langten am anderen Tag in Tramandahy an. Hier badete ich mich taeglich mehrmals im Meer und spuerte jedoch keine Besserung in meinem Befinden, weshalb ich nach Verlauf von 8 Tagen mich wieder auf die Rueckreise begab und gluecklich zu Hause ankam.

Im Jahre 1888 verkaufte ich meine Laendereien mit der Ausnahme einer ½ Kolonie und das Wohnhaus, weil ich einsah, dass Ihr Kinder es doch nicht bewohnen koennt, weil ihr alle eine Profission habt und betreiben wollt. Und weil ich schon viele Verluste hatte auf jeder Art und Weise, so wollte ich jetzt einmal versuchen das Geld auf die Banko da Provincia zu 4% verleihen. Und dann fing ich wieder an so dann und wann Schlappenhoelzer zum Zeitvertreib zu machen. Ab und zu machte ich auch eine Vergnuegungsreise von einem meiner Kinder zum anderen.

Unterdessen im Jahr 1893 fing die Revolution an, da ich sie schon selber mitgemacht hatte im Farrapenkrieg, so hatte ich fuer mein Teil genug und beschloss ganz von hier weg zu gehen nach São Matinho, zu meinem Sohne Friedrich Wilhelm, um nicht in der Geschichte verwickelt zu werden. Hier brachte ich laengere Zeit zu. Bei allen diesem wurde ich gewahr dass die Federalisten (Maragatos) in meinem Haus bei meinem Sohne Pfillipp waren und dort machten was sie gerade Lust hatten.

Im Jahre 1893 machte ich eine Reise nach São João do Monte Negro und machte eine Mahlzeit mit bei der Hochzeit eines Enkelchens, eines Kindes meines Sohnes Georg. Dort habe ich schoene Unterhaltung gehabt und alte Freunde getroffen. In demselben Jahr machte ich eine Reise nach Santa Maria und São Matinho, wo ich am 1 ten Januar 1899 mich auf Rueckreise begab und gluecklich zu Hause ankam. Um mich ganz zur Ruhe zu setzen verkaufte ich die letzte ½ Kolonie nebst Wohnhaus an meinem Sohn Pfilipp, behielt aber in Ausnahme nur die 2 Wohnzimmer bis an meinen Tod . So hatte ich nichts mehr an Guetern, als ein Reitpferd und eine Stute. Am 12 ten Februar 1899 machte ich eine Reise nach Cima da Serra, von wo ich wieder nach Verlauf von 8 Tagen auf den Heimweg machte. Ich wollte an der entrada da Cima da Serra uebernachten, weil es aber schoenes Wetter war und sternenklar, machte ich dort nur wenig Rast und ritt dann weiter sodass ich abends um 10 Uhr gluecklich zu Hause ankam. Ich hatte 15 leguas zurueckgelegt.

Einige Tage spaeter am 23 ten Februar reiste ich zu meinem Sohn August nach Pesqueiro um dort Haushalten zu helfen, weil sein Sohn ins Seebad geritten war. Dort in Abwesenheit seines Sohnes, der ihn nicht mehr bei Leben antreffen sollte, ist er ploetzlich an einem Herzschlag gestorben. Er starb am 1 ten Maerz 1899. Um ihn die letzte Ehre anzutun haben wir Kinder ihn in seine Heimat Fortaleza befoerdert wo sein Leib begraben liegt, neben seiner lieben Gattin, unsere lieben Mutter".

Sein Andenken wollen wir in Ehre halten.


Heinrich

Der aelteste Sohn war 2 mal verheiratet, zuerst mit Elisabeth Hirt, die bald verstarb und 2 Kinder, 1 Sohn und 1 Tochter hinterlies. Er verheiratet sich zum 2 ten mal mit Elisabeth Schmidt, die ihm mehrere Kinder geschenkt hat. Er hat den Paraguay-krieg mitgemacht und ist als Krüppel wieder heimgekommen, wofuer ihndas Vaterland mit einer sehr mageren Pension bezahlt hat. Er wohnte auf dem Vaeterlichen Besitztum in Fortaleza und ist dort im Jahre 1897 gestorben.


Georg

Der 2te Sohn war verheiratet mit Maria Carolina Schweitzer. Er wohnte in Faxinal de São João do Montenegro und ist dort am 12ten Juni gestorben.

Im Register der Todesfälle der evangelischen Gemeinde lutherischen Bekenntnisses in Igrejinha steht:
Heinrich Fauth, am 29 Juli 1823 in Kreuznach, in der Provinz Koblenz, im Preußischen Reich, geboren, am 1 März 1899 bei dem Hause seines Sohnes August in Pesqueiro im Alter von 75 Jahren, 7 Monaten und 2 Tagen gestorben und am 3. März aufgrund seines Wunsches neben seiner Ehefrau auf dem Friedhof von Fortaleza beerdigt. Die Todesursache war ein Herzanfall. 11 Kinder, 96 Enkel und 30 Urenkel trauerten um ihn.

Der Todesfall seiner Frau steht ebenfalls in demselben Register:
Elizabeth Fauth, geborene Schönardie, in Hessen – Darmstadt am 09. August 1825 geboren, am 13. Oktober 1880 in Fortaleza gestorben und am 14. Oktober 1880 um 9 Uhr auf dem Friedhof desselben Ortes beerdigt.

Ursprünglich wurde das Tagebuch von Heinrich Fauth in gotischer Schrift geschrieben.
Seine Tochter hat es später in die lateinische Schrift übertragen. Wir haben den
Text ohne irgendeine Änderung übernommen.


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